Ein plötzlicher Temperaturanstieg über die Pfingsttage von Werten bis über 35 Grad wurde vom Wetterdienst vorausgesagt. Und er sollte Recht behalten. Schon samstags kletterte das Thermometer vor dem Abritt am Relais Islandais in Weiterswiller auf über 30 Grad. So kamen die sieben Isländer im bergigen Gelände des Nordelsass beim Anstieg über den Bruderberg auch gut ins Schwitzen, zumal der leichtfüßige Traber des Rittführers Jürgen Stass schon im Schritt ein flottes Tempo vorgab. Doch gut trainierte Isis regenerieren schnell wieder und so ging es nach einer kurzen Verschnaufpause im Tölt in Richtung Pfannenfels, einer imposanten Felsformation im Foret de Weiterswiller. Die kargen Sandböden des Nordelsass bieten eine ganz besondere Vegetation, die fast schon an die Provence erinnert. Die pinkfarbenen Blüten des wilden Fingerhutes wiegten sich im leisen Wind, der durch manche Täler strömte. Gut dass die Strecke nicht zu lang
war, denn am Nachmittag wurde es richtig unerträglich heiss. Kaffe und selbst gebackener Kuchen aus dem Tross, dann später elsässischer Flammkuchen aus Lothar Weilands Backofen – ein echtes Highlight für die Gäste.
Sonntags war es schon beim Aufstehen in der Früh warm und so wurden einige Streckenkürzungen der geplanten Route vorgenommen. In direkter Richtung ging es nach Bouxmuehl und am Katzenberg entlang in Richtung Burgruine Herrenstein, die vergessen vom Tourismus einen schattigen Pausenplatz für Ross und Reiter bietet. Leider wurden im Bois du Herrenstein in den letzten Monaten viele der schönen Sandwege zu dickgeschotterten breiten Waldautobahnen ausgebaut. Völlig unattraktiv – nicht nur für Reiter! Und der von uns bei einer Wanderung am 1. Mai dieses Jahres gefundene schöne Höhenweg war jetzt durch ein großes Gatter und viele Hinweisschilder „Betreten verboten“ leider nicht mehr passierbar. Also Streckenänderung und in direkter Linie nach Kugelberg und weiter bergab zu einem alten Steinbruch, wo die Pferde im Schatten grasen konnten. Die Überquerung der Zinsel über eine schmale Brücke klappte ohne Probleme und am Fluss wurden die Pferde ausgiebig getränkt und gekühlt. So schafften sie auch den Aufstieg im Bois du Dossenheim problemlos und Ernolsheim-lès-Saverne war schon zu sehen. Die Station „
Relais les 4-saisons“ bei Gaby Kuntz ist eine der besten, die ich kenne. Gaby liest den Reitern alle Wünsche von den Augen ab und ihr Partner Lucien sorgt dafür, dass die Pferde bestens versorgt sind. Elsässer Pinot noir und das Nationalgericht Bäckeoffe rundeten das Programm am Abend ab. Danach noch ein Erdbeerbecher und ab in die schönen Zimmer zum Schlafen.
Pfingstmontag standen dann mehrere kulturelle Höhepunkte auf dem Programm. Stets bergan führte die Strecke zum Frohnberg und über das Croix du Langenthal zu den „Stempflöchern“. Hier sind große Mulden in die Felsen gehauen, die in früheren Zeiten den Bauern, wenn sie aus ihren Häusern flüchten mussten, zur Zerkleinerung ihres überlebenswichtigen Getreides gedient haben sollen. Unsere Pferde nutzten das Wasser des letzten Regens, das noch in den Stempflöchern stand, um ihren Durst zu stillen. Unter
diesem gesamten Berg wird gerade eine neue Strecke für den Hochgeschwindigkeitszug gebaut, der dann mit Volldampf durch einen 4 km langen Tunnel fährt und Paris mit Straßburg verbindet. Doch davon merkt man hier oben nichts. Wir ändern die Richtung und Reiten zum Rocher des Dames, einem Aussichtspunkt, von dem man bis nach Saverne blicken kann. Über ebene Wege, die zum Tölten einladen, erreichen wir die Wanderhütte bei der Chapelle St. Michel, die hoch oben auf dem Felsplateau als Eremitenkapelle errichtet wurde.
Die Pause nutzen unsere Mitreiter zum Besichtigen der Felsenhöhlen, genannt Feenhöhle, dort sollen früher die Hexen gelebt haben. So gibt es auch eine Hexenloch, von dem aus früher die Hexen mit dem Besen weg geflogen sein sollen und einen Hexentanzplatz. Von dort halten wir uns aber fern, denn: sicher ist sicher.
Wir verlassen diesen mystischen Ort und treten den Heimweg an, der jetzt stetig bergab zurück nach Ernolsheim führt. Unsere Gastgeberin Gaby hat die Zeit gut genutzt und auf uns wartet frisch gebackener Käsekuchen und Apfelkuchen. Die Pferde erholen sich währenddessen noch in den Boxen bei einer Portion Heu. Frisch abgeduscht stellen wir sie in den Hänger, damit die Heimfa
hrt für die Pferde auch bei 30 Grad im Schatten gut erträglich ist.
Das Pfingstabenteuer der VFD-SAAR wurde von der Steel Hill Ranch http://www.steelhillranch.de gesponsert mit „Wafer fioc“, einer neuen Sorte Wiesencobs. Den ersten Test gibt es in den nächsten Tagen auf unserer Internetseite unter www.vfd-saar.de, dort bei Tipps und Tests.
Christiane Claus