Zwei Tage Wanderreit-Abenteuer in der Lausitz

Manchmal braucht es nicht viel für ein gelungenes Wanderreitwochenende: gute Pferde, nette Menschen, schönes Wetter und die Bereitschaft, sich auf kleine Abenteuer einzulassen. Genau so sind Sabine Köhler mit ihrem Filou, und ich, Katharina Metschurat mit Rapunzel sowie Epona, unserem zuverlässigen Packpferd, zu einem zweitägigen Wanderritt durch die Lausitz aufgebrochen. Die rund 30 Kilometer lange Strecke führte von Ottendorf-Okrilla bis nach Kindisch und sollte am Folgetag wieder zurückgehen.

Sabine ist als Beauftragte für Reitwege im Landesverband Pferdesport Sachsen unterwegs, ich als 2. Vorsitzende unseres Landesverbandes. So standen nicht nur Naturerlebnis und Pferdezeit auf dem Programm, sondern auch der fachliche Austausch rund um das Thema Vereinsleben und Wanderreiten.

Wir starten unser Abenteuer

Die erste Unterkunft am Freitagabend ließ keine Wünsche offen: ein großer, sehr gepflegter Stall mit hervorragenden Bedingungen für Pferd und Mensch und eingebettet in ein traumhaftes Ausreitgelände. Besonders interessant war der Austausch mit Christian Stahn, der seine Pferde mithilfe von Dreh- beziehungsweise Balancetellern trainiert. Durch diese Übungen fördert er gezielt den Muskelaufbau und die Körperwahrnehmung seiner Pferde – ein spannendes Thema, das für viele neue Denkanstöße sorgte.

Der Abend klang zunächst idyllisch aus. Zwischen unseren Zelten und den Pferden genossen wir bei Sonnenuntergang das Abendessen und ein kühles Radler. Doch plötzlich wurden wir von einer regelrechten Invasion von Junikäfern überrascht. Während die Käfer um uns und die Pferde schwirrten, fanden unsere Vierbeiner kaum Ruhe. Etwa eine halbe Stunde lang wurde mehr getrabt und galoppiert als entspannt gegrast. Fast genauso plötzlich, wie der Spuk begonnen hatte, war er auch wieder vorbei: Mit dem vollständigen Verschwinden der Sonne verschwanden auch die Käfer, als hätten sie sich schlagartig schlafen gelegt. Ruhe kehrte ein, und Mensch wie Pferd konnten die Nacht genießen.

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Erste Etappe nach Kindisch

Nach einem kurzen Frühstück und dem obligatorischen Kaffee begann am nächsten Morgen das Verstauen der Ausrüstung. Wer schon einmal mit Packpferd unterwegs war, weiß: Das Packen dauert immer länger als gedacht. So kamen wir erst gegen 11 Uhr auf die Strecke. Na ja…und wir hatten es auch nicht eilig.

Bei bestem Sommerwetter führte uns der Weg durch die wunderschöne Lausitzer Landschaft. Einige Bremsen begleiteten uns zwar, konnten die Stimmung aber nicht trüben. Saftige Bachwiesen, schattige Wege und ein angenehm erfrischender Wind machten den Ritt zu einem echten Genuss. Zur Mittagszeit gönnten wir uns sogar eine lange Mittagspause im Schatten der Bäume.Ritt 072026 3 klein

Die geplante Route funktionierte zunächst hervorragend. Erst auf den letzten Kilometern wurde es spannend: Ein Weg war mittlerweile so stark zugewachsen, dass er mit Pferden nicht mehr passierbar war. Dazu kam eine kaum noch erkennbare Brücke über einen stark morastigen Bach. Ein Weiterkommen war ausgeschlossen. Also blieb nur die Umkehr und die Suche nach einer alternativen Route.

Wie so oft beim Wanderreiten zogen sich die letzten Kilometer gefühlt endlos hin. Umso größer war die Freude, als wir gegen 19 Uhr endlich unser Ziel erreichten.

Ein echtes Wanderreit-Paradies

Pferd und Mensch waren nun gleichermaßen erschöpft. Nach dem Absatteln durften die Pferde auf eine großzügige Weide mit saftigem Klee, Schattenplätzen, einem kleinen Unterstand und einer natürlichen Quelle. Besonders erfreulich: keine Junikäfer!

Unsere Zelte schlugen wir auf einer hervorragend gepflegten Wiese am Fuße eines kleinen Granitbergbaus auf. Die Anlage verfügte über gemütliche Hütten, eine große Outdoor-Küche mit Feuerstelle und zahlreiche einladende Sitzgelegenheiten. Beste Voraussetzungen also für eine erholsame Nacht, in der wir tief und fest schliefen.

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Pferdewohl geht vor

Am nächsten Morgen gab es zunächst Frühstück und natürlich Kaffee. Dank unseres Packpferdes war sogar ein kleiner Espressokocher mit dabei – ein Luxus, den man auf Wanderritten schnell zu schätzen lernt.

Vor dem Zusammenpacken erfolgte wie immer die sorgfältige Kontrolle der Pferde auf mögliche Druckstellen in Gurt- und Sattellage. Leider zeigte eines unserer Pferde tatsächlich eine Druckstelle.

Damit war die Entscheidung sofort klar: Pferdewohl geht vor. Schweren Herzens mussten wir den geplanten Rückritt absagen.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Sabines Mann – und überhaupt an alle Männer der Reiterfrauen sowie Frauen der Reitermänner –, die solche Unternehmungen oft tatkräftig unterstützen. Kurzerhand sammelte er uns samt Ausrüstung ein und brachte uns zurück zu den Anhängern. Von Kindisch aus traten die Pferde ihre Heimreise daher bequem mit dem Auto an.

Wo Schatten ist, ist auch Licht

So schade der vorzeitige Abbruch zunächst war, brachte er auch etwas Positives mit sich. Ohne Zeitdruck konnten wir uns noch ausführlich mit den Betreibern dieses kleinen Paradieses, Grit und Hans, austauschen. Bei Kaffee aus dem Espressokocher entwickelten sich spannende Gespräche über Pferde, Wanderreiten und gemeinsame Erfahrungen.

Dabei stellten wir fest, dass uns viele Interessen verbinden. Und am Ende entstand sogar ein konkretes Ergebnis: Wir konnten eine neue Wanderreitstation für das Portal wanderpfer.de gewinnen. Für das Netzwerk der Wanderreitenden in Sachsen ein echter Gewinn.

Fazit

Auch wenn der Rückritt nicht wie geplant stattfinden konnte, war das Wochenende ein voller Erfolg. Wir haben neue Menschen kennengelernt, wertvolle Erfahrungen gesammelt, interessante Gespräche geführt und einmal mehr erlebt, wie wichtig gegenseitige Unterstützung beim Wanderreiten ist. Vor allem aber durften wir zwei wunderbare Tage mit unseren Pferden in der Natur verbringen, unter freiem Himmel schlafen und die besondere Freiheit genießen, die nur ein Wanderritt bieten kann.

Und genau deshalb freuen wir uns schon jetzt auf das nächste Abenteuer.

Adressen für Interessierte:

Erste Station:

Papiermühle II, 01458 Ottendorf-Ockrilla, Am Farrenberg 13 - Papiermühle II

Zweite Station:

Rotkehlchenranch, Hochsteinstraße 50 – 01920 Elstra/Kindisch,

Hinweis: Zutritt zum Teich mit Pferden nicht gestattet!

Weitere Stationen

www.wanderpfer.de für Wanderreitstationen (einfach QR-Code scannen)

 
   

 

Sabine Köhler - Beauftragte für Reitwege

Katharina Metschurat – 1. Vorsitzende

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