Distanzritt = nur was für Araberreiter...... habe ich zumindest immer gedacht. Und mich aus diesem Grund auch nie richtig dafür interessiert. Bericht von Heidi Falkenberg.

Ich selber passionierte Wanderreiterin und Geländerittführerin, bin ich doch mit Gruppen eher gemächlich von A nach B unterwegs.

Zu Ostern ergab sich in meiner Nähe die Möglichkeit der Teilnahme an einem Einsteiger-Distanz-Seminar. Veranstaltet vom VDD unter der Leitung von Vero Sürig und Christiane Schlag, beides aktive Distanz-Vollprofis.

Parallel wurde auch ein Distanzwettkampf mit mehreren Distanzen veranstaltet, wo man u.a. auch melden konnte, zusätzlich zum Seminar.

Noch hatte ich kurz überlegt, ob ich mit oder ohne Pony teilnehme (weil ja „nur“ ein Haflinger im Pitbullkostüm vorhanden), aber als dann eine Freundin mit junger Connemara-Stute auch mitmachen wollte, war Entscheidung „Teilnahme mit Pferd“ gefallen. Geteiltes Pony-Gedöns-Leid ist schließlich halbes Leid. Sollen doch die edlen Vollblutrösser denken was sie wollen ....

Vorab bekamen wir schon eine Menge Infos vom Dozenten-Dreamteam. Dafür nochmal allerherzlichsten Dank!

Unter anderem stellte ich die Frage nach Training und welches GTI-Power-Food ich meinem armen alten Kerl wohl verabreichen solle, damit er A) wenigstens in der vorgegeben Zeit mit mir ankommt und B) auch gesund und munter wieder mit nach Hause kommt....

Ich kürze ab: es kam Vieles anders als gedacht. Im Positiven. Dafür stelle ich jetzt ein paar grobe Infos aus persönlichen Erfahrungen, Seminarinhalten und was sich vor Ort dann darstellte, zusammen. Vollständigkeit mit Absicht ausgeschlossen! Empfehlung: es selbst ausprobieren und an dem Seminar teilnehmen.

 

Training:

Ich habe nicht anders trainiert, wie sonst im Reitalltag auch. Warum? Zitat Vero:“ Es gibt eine Faustregel (zumindest für kürzere Strecken und das Auftrainieren am Anfang); das, was ich auf einem Ritt reiten möchte, sollte ich in Gänze die Woche addiert schaffen! ... Wenn man z.B. 29 KM im Wettkampf reiten will, dann schaut, was Ihr im wöchentlichen Training macht:  

Longe-Jetzt gehe ich mit meinen Warmblut 15min flott spazieren zum warmmachen 6km/h. - 1,5km. Dann longiere ich 20min und übe lockeres traben ins vorwärts- abwärts und nehme Übergänge in den Galopp mit rein. 15min  Trab mit 12km/h - 3km + 5 min Galopp mit 18km/h - 1,5km.Danach nochmal 15min Schritt - 1,5km =7,5 KM Longe/warmmachen. Andere Tage z.B. Dressur =  ca.8 KM, Springen= ca. 11 KM und Gelände ca. 12 KM = 38,5 KM und schon 10 KM zu viel auf der Uhr (ein Pausentag mit eingerechnet). Hinzu kommt die Haltungsform. Offenstallhaltung/ Bewegungsstall ergänzt das Training optimal“.

Ich musste also nicht jeden Tag die anvisierte Strecke in unterschiedlichen Tempi abreißen, um die Schnupperdistanz von 18 KM zu „überleben“. Mein persönlicher Trainingsansatz hat hier völlig gereicht, denn durch normales Reiten/ longieren/ ausreiten (in versch. Tempi)/ Haltung und Boden-/ Stangenarbeit bekommt das Pferd schon sehr viel Training.

6 Wochen vor einem Wertungsritt mal 25 KM sehr flott reiten. Einmal die Woche Training reicht selbst für 100 Meiler aus, habe ich gelernt. Vorausgesetzt, man trainiert  die anderen Tage ansonsten normal weiter...

 

Ok. Soweit so gut. Nun muss ich noch beachten: in welchem Gelände trainiere ich alltäglich, und in welchem Gelände findet der Distanzritt statt? Muss ich entsprechende Trainingsanreize setzen? Berge? Sand? Feste Böden? Beschlag? Wettkampf- Ausschreibungen geben gute Anhaltspunkte.

Jetzt nun das Neue für mich: pulsen. Ja, einen Puls hat mein Pferd. Kann er auch die geforderten Werte an den VET Check Stationen erreichen oder halten? Wie schaffe ich es, ihn rechtzeitig „runter zu bringen“? Hier gaben uns Vero und Christiane Tipps/Tricks in der Theorie, die Praxis hat Frau Regine Markowitsch mit uns geübt.

 Pulsen

Man sollte so trainieren, dass der Puls nach Belastung  innerhalb von 10 min runter auf 64 Schläge p.M. kommt. Das kann man mit einem Stethoskop und Stoppuhr selber kontrollieren. Den Herzschlag 15 Sek. hören, dann x4 nehmen.

Ich habe einfach mal laufen lassen und was soll ich sagen: Mein Hafitier lag immer deutlich unter den geforderten Werten... Wer jetzt glaubt, die ist bestimmt nur geschlendert, irrt sich. Der Ritt war in T10 (10 min für 1 KM) gefordert (Max Zeit), wir waren in T8 unterwegs also reine Reitzeit 2:13 h (Anm. der Redaktion: die beiden Profis sind in 1:26 h gelaufen). Und ja, Pony ist fast fleißig durchgetrabt. Selbst nachdem wir trabend das Ziel erreichten, lag Ponys Puls bei 60.

Nur die sehr tiefsandigen Stellen oder An/Abstiege wurden im gemächlichen Schritt absolviert. Auf Galopp habe ich verzichtet, weil mein Begleitpaar noch sehr jung und unerfahren ist und wir hier einfach nach Machbarkeit/Wohlbefinden Aller geritten sind.

Natürlich. Die 18 KM waren ein Kinderspiel für mein normal trainiertes Wanderreitpony, der es gewohnt ist, durchaus 30 KM am Tag zu laufen. Nur eben nicht im Wettkampftempo.

Tut gut zu wissen, dass man einiges schon richtig macht.

 Check Karte

Ausrüstung:

Spannend zu sehen war, was die erfahrenen Distanzler so dabei haben. Sehr Vieles kenne ich von meinen Touren. Auch bei Distanzreitern könnte man einen Umzug vermuten, wenn man die voll beladenen Trossfahrzeuge und Anhänger gesehen hat.

Was mich besonders beeindruckte: Vero reitet einen gut sitzenden Dressursattel. Hätte ich ehrlich gesagt, nicht vermutet. Tatsächlich ist alles möglich. Klar, viel Biothane gesehen, aber auch Profiausstattung aus entsprechendem Fachhandel.

 Im Schnee

Helfer (Insider Tipps):

Das Seminar ging von Donnerstag bis Sonntag. Samstag und Sonntag waren unter anderem auch Wettkampftage. Am Samstag war ich als Helfer den Tierärzten als Schreiber zugeteilt. Dieser Tag hatte es wettertechnisch wirklich in sich. Erst Dauerregen bei lausigen Temperaturen, dann zum Mittag hin Schneefall.  Wer hier auf die falsche Kleidung gesetzt hat, war nach sehr kurzer Zeit vollkommen durchnässt und  durchgefroren. Für mich also die beste Möglichkeit gedanklich Notizen zur eigenen Ausrüstung zu machen. Übrigens hat mein Reitregenmantel diesen Test souverän bestanden.

Ich kann jedem eine Teilnahme als Helfer nur wärmstens ans Herz legen, denn: näher kommt man nicht an Insider Wissen ran! Zu den vielen Fachinfos zu Gesundheit und Ethik erzählten die TA auch aus ihrem reichlichen Erfahrungsschatz bei Distanzen.

Gut zu Wissen war unter anderem auch, dass eine Kolik nach einer Distanz mit Kochsalzlösung besser behandelt ist, als mit krampflösenden Mitteln. Hier kann das Pferd zu wenig getrunken haben, die kleinen Kapillargefäße sind dann schlechter mit Blut versorgt. Ein Distanzunerfahrener TA weiß das nicht zwingend.

 

Distanzpferd:

Wie eingangs erwähnt, hatte ich ja mit 99 % Arabern gerechnet. Weit gefehlt.

Erstaunlicher Weise waren deutlich mehr Isländer und andere Ponyrassen am Start. Das lag mitunter auch an den teilnehmenden Fahrern.

Vero und Christiane hatten unter anderem ein schweres Warmblut mit über 1,70 Stockmaß und ein Dülmener mit 1,35 dabei.

Fazit: es gibt kein typisches Distanzpferd. Man sieht es im Training. Fühlen sich Pferd und Reiter gemeinsam mit den Anforderungen wohl, passt es.

 Glücklich angekommen

Der Wettkampf:

Ich habe gelernt, dass der Distanzsport sehr zeitaufwändig ist, da man meist vor dem eigentlichen Wettkampftag anreisen muss (bis 80 KM Distanz geht auch am selben Tag=je nach Ausschreibung), um die Voruntersuchung zu bestehen. Dann findet der Wettkampf statt. Je nachdem welche Distanz man genannt hat (es kann durchaus auch ein Mehrtagesritt sein/Wertung an 2 Tagen), ist man dann schon 3 Tage unterwegs.

Auch benötigt man bestenfalls ein Team, mindestens 1 Person die mit anfasst und den Tross macht. Die während der Distanz Wasser, Futter und Decken fürs Pferd, Essen für Reiter, trockene Kleidung und so weiter (hier wächst das Equipment  mit den persönlichen Erfahrungen und Vorlieben) anreicht.

Positiv aufgefallen:  das Zusammenspiel der „Konkurrenten“, Veranstaltern und Tierärzten ist sehr familiär und lässt die Strapazen durch die allgemeine Hilfsbereitschaft sehr erträglich erscheinen. Ich hatte schon das Gefühl, einer eingeschworenen Gemeinschaft. Bei anderen Wettbewerben ist man meist nur kurz vor Ort, reitet seine Dressuraufgabe oder Parcours und ist danach auch ziemlich schnell wieder verschwunden. Kontakte entstehen da eher weniger.

 

VET Check:

die Vorkontrolle besteht aus einer allgemeinen Schau, Vortraben (Gangbeurteilung) und Pulskontrolle. Wichtig dabei ist, dass das Pferd sauber ist. Die Nachuntersuchung bis 80 Km erfolgt ca. 2 Stunden nach Zieleinlauf, ab 80 KM Distanzlänge innerhalb 30 min und am nächsten Morgen die Transportfreigabe.

Während des Wettkampfs erfolgen je nach Distanz (Einsteiger- Mittel - Lang/Mehrtagesritt) angekündigte sowie unangekündigte Kontrollen, wo wieder Gangbild und Pulskontrolle erfolgen.

Besteht man bestimmte Parameter nicht, gibt es eine Karenzzeit. Schafft es das Pferd bis dahin auch nicht, ist man raus. Lahmt ein Pferd, wird es aus dem Wettkampf genommen. Zeigt es Verletzungen, erfolgt der Ausschluss.

Man bekommt sein Pferd auf Distanzen „sehr günstig“ engmaschig vom TA begutachtet und ggf auch behandelt.

Ich finde es gut, dass hier sehr genau zum Wohle des Pferdes kontrolliert wird.

Voruntersuchung

Fazit:

Mir hat es sehr gefallen und mich angefixt. Ob es das Hafitier weiter mit mir aushalten muss, diese Entscheidung habe ich noch nicht getroffen.

Ich werde zum Sichergehen noch ein paar Schnupper-/ oder Einsteigerdistanzen nennen, um diese Frage für mich und meinen Haflinger zu beantworten.

Ich danke allen Mitwirkenden für das großartige Seminar, im Besonderen natürlich Vero und Christiane, die wertvollen Tipps, die tolle Veranstaltungs-Orga des VDD und dem Pferde-Freizeit-Paradies Ziemendorf, sowie den Küchenfeen für die leckere Verpflegung!

Eure Heidi Falkenberg und Shantie

 Text und Fotos:  Heidi Falkenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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