von VFD-Partnerin Dr. Tanja Romanazzi

Zu meiner anfänglichen Pferdezeit war es üblich, dass die Pferde morgens und abends eine mehr oder weniger große Heumahlzeit bekommen haben. Dann hat sich jedoch immer mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass Pferde von Natur aus Dauerfresser sind und dass längere Fresspausen sowohl der Psyche als auch dem gesamten Verdauungssystem schaden.

Eine vollkommen freie Heufütterung führt dagegen häufig zu verfetteten Pferden und zu einem ziemlich hohen Heuverbrauch. Die Pferde fressen oftmals mehr als tatsächlich gut für sie ist (vor allem, wenn es sich um zu zuckerreiches Heu handelt) und es wird durch das Zertreten auch noch einiges an Heu verschwendet.

Eine Lösung aus dem Dilemma sind Heunetze, die heute von vielen Pferdehaltern in den verschiedensten Formen und Größen eingesetzt werden.

Vielfältige Heunetz-Varianten

Es gibt viele Taschen- und Sackformen, die man aufhängt, es gibt große Rundballennetze, die man über ganze Ballen ziehen kann, angenähte Netze an Tonnen oder Raufen oder mit Netzen bespannte Rahmen, mit denen das Heu in einer Raufe abgedeckt wird. Es gibt viele kommerzielle Angebote und noch mehr Bastel-Lösungen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt bei der Suche nach der optimalen Heufütterung.

Heunetz JoergFoto: Jörg WeberHeunetz RahmenFoto: RomanazziS3520002Foto: RomanazziTonneFoto: Tanja Ammon

 

HeukorbHeukorb   (Foto Sigrid Layer)
Der Heukorb ist eine Weiterentwicklung von den Sack-Heunetzen. Man hat einen stabilen, biegsamen Metalldraht spiralförmig in ein Netz geschoben, so dass sich ein zylindrischer Behälter ergibt mit einem Durchmesser von ca. 60 cm.

Im Vergleich zum normalen Heunetz ist das Befüllen einfacher. Der Heukorb hat eine große Öffnung und steht selbständig. Ein zweiter Unterschied zum Heunetz besteht darin, dass die Pferde das Netz nicht ans Heu drücken können. Daher ist das Fressen aus diesem Korb mühsamer. Man hat eine weitere deutliche Verlängerung der Fresszeit im Vergleich zum normalen Netz.

 

JP4HkT8X6SdLJu4zzrdt6hoQEP d5gVtEANhVgdH33QGurtnetze für Netzbeißer  (Foto:  Thorsten Hinrichs, HIT)

Es gibt Pferde, die regelmäßig die Netze kaputt beißen. Ob das mit Absicht geschieht (wie man als genervter Pferdehalter gerne unterstellt J) oder an der jeweiligen Fresstechnik liegt, bleibt ein Geheimnis. Als Ergebnis muss man jedoch vor allem bei den einfachen Netzen ständig reparieren oder neu kaufen.

Bei den angebotenen Qualitäten sollte man daher auf die Kordelstärke achten. Preiswerte Ladungssicherungsnetze haben oft nur eine Kordelstärke von 2,5 – 3.0 mm, gute Heunetze dagegen 4,0 – 5.0 mm.

Zudem haben manche Hersteller noch eine weitere Qualitätsstufe. Bei einigen heißt es „powerline“, andere bezeichnen es nur als besonders fest und extra stark. Es handelt sich um ein besonders dicht gewebtes Material, ebenfalls in der Stärke 5 mm. Das Gewicht so eines Netzes ist fast doppelt so hoch wie bei den „Normalen“ und Haltbarkeit und Preis sind dann dementsprechend auch höher. Wenn auch das hochwertigste Netz nur kurze Zeit hält, dann gibt es noch die Variante der Gurtnetze.

 

Gefahr des Hängenbleibens

Da Pferde in einer entspannten Haltung fressen sollen, kann man Heunetze nicht beliebig hoch hängen. Dadurch muss man auf der anderen Seite die Gefahr des Reintretens berücksichtigen. Die Maschengröße sollte immer deutlich kleiner sein, als die Hufgröße. Bei Pferden mit Hufeisen, sollte man generell keine aufgehängten Netze verwenden. Ich habe bereits zweimal ein Pferd aus einem Heunetz befreit. Jedes Mal war es ein großes Glück, dass das Pferd nicht in Panik geriet, sondern brav mit „aufgehängtem“ Bein stehen blieb. Es kann immer mal passieren, dass die Pferde mit dem Vorderbein etwas höher ausschlagen und dann das Netz sich zwischen dem Schenkel des Eisens und dem Huf festhängt. Eine weitere Gefahrenquelle auch bei Netzen in Raufen sind Deckenverschlüsse. Auch damit kann ein Pferd im Netz hängen bleiben. Um das zu verhindern, sollten daher nur Decken zum Einsatz kommen, bei denen Schnallen mit einem Klettband verdeckt sind.

 

Die Fresshaltung

In der freien Natur fressen die Pferde die überwiegende Zeit des Tages in einer langsamen Vorwärtsbewegung vom Boden. Der Kopf ist also nach vorne unten gesenkt, die Vorderbeine sind abwechselnd in Schrittstellung vorgestellt und die Oberlinie des Pferdes ist gedehnt. Wenn man nicht kleine Heubüschel über den gesamten Paddockbereich verteilen möchte, dann kann man diese Fresshaltung beim Heufressen nicht erreichen. Gesucht ist daher der beste Kompromiss, beziehungsweise andere physiologische Fresshaltungen, die für das Pferd möglichst angenehm sind und keine negativen gesundheitlichen Folgen haben. Aufgehängte Netzen, vor allem wenn sie zu hoch hängen, fordern vom Pferd eine schräge Kopf- und Halshaltung. Diese ist nicht komplett unnatürlich, da das Pferd auch in der freien Natur Blätter und kleine Zweige von Bäumen und Büschen zupft oder auch größere Äste anknabbert. Aber es tritt dort nur über eher geringe Zeitspannen auf, während die Pferde mit den Netzen viele Stunden verbringen. Ein andere ungünstige Fresshaltung kann auftreten bei der Fütterung von Großballen mit Netz. Wenn solche Ballen neu in eine Raufe gelegt werden, fressen einige Pferde vorwiegend vom Rand, andere jedoch von oben.

Nach meiner Beobachtung kommen die meisten Pferde sowohl mit aufgehängten Netzen als auch mit größeren Rundballen gut zurecht, da sie selbständig verschiedene Fresshaltungen einnehmen. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen, bei denen es dann immer mal wieder zu entsprechenden Verspannungen kommt.
Idealerweise sollte man daher ein bodennahes Fressen mit gerader Kopf- und Halshaltung ermöglichen. Zudem finde ich es immer gut, wenn man verschiedene Heubehältnisse anbieten kann.
Die Pferde haben dann mehr Abwechslung und können in unterschiedlichen Fresspositionen Heu knabbern.

Rundballennetz freistehendFoto:  FerdererS3520002Foto: Romanazzi  IHeu II Vorne WebFoto: Ferderer

 

EngmaschigDie Maschengröße    (Foto: Romanazzi)

Bei dem Thema Heunetze stellt sich natürlich immer die Frage nach der richtigen Maschengröße. Diese lässt sich jedoch pauschal nicht beantworten, da es sehr stark abhängt von der Heuqualität (Zuckergehalt), der Heustruktur (lange, grobe Halme oder kurzes, feines Heu), der gewünschten Futtermenge und der Geschicklichkeit der Pferde.

Generell kann man sagen, dass die Maschengröße so klein wie möglich sein sollte, aber auch so groß wie nötig. Zudem sollte man beachten, dass viele Pferde erst einmal lernen müssen, durch enge Maschen zu fressen. Hat man zu Beginn durch ein 4 cm Netz eine deutliche Verlangsamung der Fresszeit, so hat man nach einem halben Jahr oftmals den Eindruck, dass es für die meisten Pferde kaum eine Einschränkung darstellt. Zudem sollte man immer die Heustruktur und die Witterungsbedingungen im Auge behalten. Sehr kurzes Heu lässt sich schlechter durch enge Maschen fressen und bei Frost und eventuell verhärteten Netzen ist das Fressen ebenfalls mühsamer.

 

Gefahr bei zu kleinen Maschen

Wenn man Pferde mit Stoffwechselstörungen oder Übergewicht füttern muss oder nur Heu mit sehr hohem Zuckergehalt zur Verfügung hat, dann ist man gezwungen, die Heumengen stärker zu rationieren. Wenn man dazu jedoch die Maschen immer kleiner wählt (3 cm und weniger) oder sogar 2 Netze übereinander gelegt werden, dann kann es auch negative Auswirkungen haben. Manche Pferde haben damit sichtbaren Stress. Sie stehen dann fast ausschließlich an den Raufen und es wird weniger Zeit zum Schlafen, Dösen und Spielen genutzt. Man hat dann quasi eine übertriebene Fresszeitverlängerung. Bei dem Einsatz von sehr engmaschigen Heunetzen sollte man daher immer wieder darauf achten, ob die Pferde wirklich gut damit zurecht kommen.

 

image-24-11-15-01-08-1Geschickte Kombinationslösungen  (Foto: Anja Tranelis)

Wenn man nur relativ wenig Heu füttern darf, ist es sinnvoll, es in verschiedenen Formen anzubieten. Die Pferde haben dann die Möglichkeit, den größten Hunger mit halbwegs normalen Fressen zu befriedigen und können anschließend sich mit den engeren Maschen beschäftigen.

  • Freies Heufressen und engmaschige Netze: man füttert zum Beispiel zwei kleinere Heumahlzeiten ohne Begrenzung aus einer Heukiste oder bei gutem Wetter in verschiedenen Büscheln von einem Paddock oder Weide (nicht mit Sandboden wegen der Gefahr von Sandkoliken) und gibt zusätzlich ein engmaschiges Netz tagsüber und ein weiteres für die Nacht.
  • Netze mit verschiedenen Maschengrößen: man füttert eine Menge Heu aus einem normal engmaschigen Netz und befüllt gleichzeitig ein Netz mit sehr engen Maschen.
  • Kombinationen mit Stroh: man mischt Heu und Stroh und füllt es zusammen in ein Netz. Die Pferde müssen dann quasi etwas sortieren und haben das Stroh als weitere Mahlzeit, wenn sie das Heu heraus gezupft haben. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung von Heunetzen in einer Strohraufe (Foto rechts). Man legt dazu ein gefülltes Heunetz auf das Stroh. Beim Herauszupfen der Heuhalme fallen dann immer auch welche ins Stroh, die dann im zweiten Schritt noch von den Pferden heraus gesucht werden.

 

 

 

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